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Dresdner Schule – Die Renaissance der Sachlichkeit

Der 1959 geborene Bildhauer Thomas Jastram absolvierte von 1980-1985 ein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Dresden, das durch ein zweijähriges Meisterschülerstudium ergänzt wurde.

Er lebt und arbeitet heute in Hamburg als freischaffender Künstler. Arbeit und Werk des Bildhauers stoßen sich an der Wirklichkeit ab. Es ist das Prinzip des Realismus, das vom Abbild zum Sinnbild führt, dabei stellt er das Finden in der ihn umgebenden Wirklichkeit über das Erfinden.

Das zentrale Thema seiner Arbeit ist die menschliche Figur. Dabei befindet sich sein Tun im Schnittpunkt von realer, objektiver Anschauung, der inneren Vorstellung von dem künstlerischen Ergebnis und der kulturellen und kunsthistorischen Herkunft. Für ihn ist die menschliche Figur ein spezifisch,europäisch geprägtes Thema, hervorgegangen durch die Antike fortgeführt im Christentum .

weibliche figurWichtig dabei ist es ihm, diese allgemeine Haltung im Besonderen zu verankern. Das führt dazu, das dem Portrait eine besondere Bedeutung in seinem Werk zukommt.

In diesem Zusammenhang erhielt er 1994 den „Prix des Portraits“ von der Akademie der schönen Künste in Paris.

Portrait ist für ihn jedoch nicht nur die klassische Büste, der Kopf sondern auch die menschliche Figur in ihrer Ganzheit.

Selbst der Darstellung von Pferden liegen genaue Analysen und Vermessung am Einzelfall zugrunde.

Sein Streben geht dahin, denen in der Natur vorgefundenen Formen bauliche, geometrische Grundelemente zu entlocken, um sie über das rein natürliche hinaus zu einem tektonischen Gebilde zu steigern.

Der Begriff der Tektonik ist untrennbar mit seiner Arbeit verbunden, das heißt, er ist bestrebt die Funktion innerhalb der Figur, wie zum Beispiel Stütze, Last anhand der Form und der Winkel in den Gliedmaßen, deutlich zu machen.


Auch der Wechsel zwischen ganzheitlicher und detaillierter Form muss in diesem Zusammenhang so gestaltet sein, das das Detail als kleines Maß die Wirkung des Ganzen unterstützt und nicht zergliedert.

Seine Kompositionen sind oft raumgreifend, man spricht auch vom bewegten Stehen. Die Winkel in den Gliedmaßen, die Neigung des Kopfes, Kippung und Drehung innerhalb des Rumpfes sind Mittel zur ab-strakten Rhythmisierung der Plastik, die sich in einem imaginären Kubus bewegt.

Diese Herangehensweise bedingt logisch die Verwendung der Bronze als favorisiertes Material, wenngleich es auch Steinarbeiten gibt.

Man könnte das Werk des Bildhauers in drei Sparten gliedern. Das wäre zum ersten die große Plastik für den freien und öffentlichen Raum. Dort finden sich diverse menschliche Figuren aber auch lebensgroße Pferde, Reiter aber auch Denkmalarbeiten, wie eine Pieta, das Mahnmal für die Opfer der NS Justiz in Torgau.

Einen zweiten wesentlichen Anteil bildet das bereits erwähnte Portrait. Es hat ihn in seiner verdichteten und pschychisierten Materialität immer wieder interessiert.

Ein weiteres wichtiges Merkmal bildet die kleine Plastik. Hier findet sich Raum zum fabulieren. Eine große Zahl von männlichen und weiblichen Statuetten, sowohl bekleidet, wie auch als Akt, aber auch Pferde und Wagen finden sich .

Ergänzt und begleitet wird dieses Alles durch seine bildhauerischen Zeichnungen. Diese behandeln Themen der Mystik des Eros, dienen aber auch als Studien für die plastische Realisierung. Dabei sucht er in der Zeichnung, wie so typisch für Bildhauerzeichnungen, immer die Gestaltung im Raum.

Über viele Jahre gab er seine Erfahrungen als Lehrer weiter. Dabei unterrichtete er in Freiburg im Breisgau an der Pädagogischen Hochschule, in Hamburg an der Designfaktory, an der Rostocker und Hamburger technischen Kunstschule.

Thomas Jastrams Arbeiten stehen in Museen und an zahlreichen, öffentlichen Plätzen bzw. in privaten Sammlungen und Parks.

Christine Jastram